27. November – 23. Januar

IN DER TIEFE IST DER OZEAN SCHWARZ

Birgit Cauer

Termine

26. November, 19:00 Uhr

Ausstellungseröffnung
Birgit Cauer: In der Tiefe ist der Ozean schwarz

Skulpturen und Zeichnungen

4. Dezember, 16:00 Uhr

Ausstellungsrundgang

18. Januar, 19:00 Uhr

Artist Talk

Eintritt frei

Einladung "In der Tiefe ist der Ozean schwarz" von Birgit Cauer, 2021
Birgit Cauer: In der Tiefe ist der Ozean schwarz
Birgit Cauer "Bindungen im Protein und im Kristall" 2015 | Blei- und Buntstift, Marmorsplitter und Sandstrohblume auf Papier, 24 x 33 cm | Foto: Friedhelm Hofmann
Birgit Cauer: In der Tiefe ist der Ozean schwarz
Birgit Cauer "Unter dem Ozean" 2018 | Glimmerschiefer, Aquarell und Tusche auf Steinpapier, 50 x 70 cm | Foto: Birgit Cauer
Birgit Cauer: In der Tiefe ist der Ozean schwarz
Birgit Cauer "Molekülfabrik" 2019 | Glasflasche, Backstein, Salzlösung. Maße variabel | Foto: Eric Tschernow
Birgit Cauer: In der Tiefe ist der Ozean schwarz
Birgit Cauer "Brutkasten IV" 2020 | Travertin, 38 x 48 x 18 cm | Foto: Friedhelm Hofmann
Birgit Cauer: In der Tiefe ist der Ozean schwarz
Birgit Cauer "Experiment mit Kupfersulfat auf Travertin" 2020 | Foto: Birgit Cauer

Ausstellungseröffnung: Freitag, 26.11.2021, 19 Uhr
Einführung: Rahel Schrohe (Kunsthistorikerin und Kuratorin der Ausstellung)


Wie entsteht etwas und wo kommt es her?
Die Frage nach der Herkunft des Lebens ist eines der großen Mysterien des menschlichen Glaubens und stetes Untersuchungsfeld der Wissenschaften. Was war am Anfang? Wie kann sich etwas Anorganisches in etwas Organisches verwandeln und schließlich in Lebendiges übergehen? In den letzten Jahren haben internationale Forschungsteams die ältesten Gesteine der Welt mit neuen Methoden untersucht, etwa den bis zu 4,28 Milliarde Jahre alten Nuvvuagittuq-Grünsteingürtel an der Hudson Bay im Norden Kanadas oder den bis zu 3,8 Milliarde Jahre alten Isua-Grünsteingürtel im Südwesten Grönlands. In diesen Gesteinen, die zu den ältesten bislang bekannten der Erde zählen, konnten mikroskopische Strukturen und Spuren von mindestens 3,7 Milliarde Jahre altem mikrobiellen Leben nachgewiesen werden, was die Hypothese von der Entstehung des Lebens an heißen Quellen am Meeresboden bestätigen würde.1 Steine, also anorganische, unbelebte Materie, als Träger oder Kapseln uralten Lebens.

Es ist nicht zuletzt dieses Faszinosum um das aktive Potenzial ihres Materials, das die Bildhauerin Birgit Cauer (*1961 in Frankfurt am Main) bewegt. Seit einigen Jahren wendet sie sich damit einhergehenden Fragen dezidiert zu. Entstanden sind skulpturale Werke und experimentelle Versuchsanordnungen, die anlässlich ihrer Einzelausstellung im Projektraum Alte Feuerwache erstmals umfassend präsentiert werden.

Cauers Skulpturen aus Travertin, Marmor oder Kalkstein tragen Titel wie Brutkasten oder Gehäuse. Mit den ihr zur Verfügung stehenden bildhauerischen Mitteln hat die Künstlerin ihr Gegenüber ausgehöhlt und durchlöchert, sodass Blickachsen das Innere der großen Steine sichtbar machen. Auf diese Weise schafft Cauer Bilder für früheste, in Gesteinsschichten verborgen liegende Lebens- und Schutzräume.

In experimentellen Versuchsanordnungen wird ein ähnlicher Eindruck mit anderen Mitteln hergestellt. Hier ist es der Stein selbst, der arbeitet; die Künstlerin stellt allein die Voraussetzungen her. Bei diesen experimentellen Arbeiten, die dem Bereich der künstlerischen Forschung zuzuschreiben sind, werden einzelne Gesteine über einen längeren Zeitraum mit Salzsäure, Kupfersulfat oder Chromchlorid beträufelt, die nach und nach ihre Spuren im Material hinterlassen; korrodierend höhlen sie den Stein aus, verfärben ihn und lagern sich ab.

Ein vergleichbares, wenn auch kurzfristiger angelegtes experimentelles Verfahren wendet Cauer für ihre in diesem Jahr entstandene Werkgruppe Alles schon da… auf Papier an. Verschiedene Kalksteinmehle und Tusche werden auf Steinpapier mit Kochsalz, Kupfersulfat, Alaun, Salzsäure, Nickelchlorid und Zink versetzt und zu von der Künstlerin kaum zu kontrollierenden Reaktionen herausgefordert.

Zuletzt geben Material-Zeichnungen Aufschluss über Cauers Auseinandersetzung mit physikalischen, chemischen und biologischen Prozessen und Theorien. Sie bieten einen Schlüssel zu den spielerisch-experimentellen Arbeiten, bilden sie doch den Ausgangspunkt für einzelne Elemente der Versuchsaufbauten.
Im Ausstellungsraum formen skulpturale Werke und experimentelle Versuchsanordnungen eine Landschaft, die von den Arbeiten auf Papier an den Wänden gerahmt wird. Gemeinsam geben sie einen körperlich erfahrbaren Einblick in das aktuelle, ungewöhnliche bildhauerische Schaffen Birgit Cauers und damit auch in komplexe wissenschaftliche Fragen und Zusammenhänge.

In der Tiefe ist der Ozean schwarz
Es ist diese Tiefe und Dunkelheit – kaum erschlossen, nahezu undurchdringlich, anziehend und unheimlich zugleich – in der etwas beginnen kann. – Rahel Schrohe



Begleitprogramm:

Samstag, 04.12.2021, 16 Uhr
Ausstellungsrundgang mit Birgit Cauer und Rahel Schrohe

Dienstag, 18.01.2022, 19 Uhr
Birgit Cauer im Gespräch mit Kati Gausmann (Künstlerin) und Silke Leimkühler (Professorin am Institut für Biochemie und Biologie der Universität Potsdam) moderiert von Rahel Schrohe

Samstag, 22.01.2022, 17–20 Uhr
Finissage der Ausstellung in Anwesenheit der Künstlerin



Mit freundlicher Unterstützung durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Ausstellungsfonds Kommunale Galerien
und Fonds Ausstellungsvergütungen für bildende Künstlerinnen und Künstler.

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