17. Juli – 28. August

QUEER SUMMER

Fotografien, Zeichnungen, Collagen & Video von Winja Lutz (D)/Abb., Bas Meermann (NL), Johannes Zits (Can)

Eintritt frei

Faltblatt "Queer Summer", 2004
Faltblatt "Queer Summer", 2004

Eröffnung: Freitag, 16. Juli, 19.00 Uhr
Begrüßung: Cornelia Reinauer, Bezirksbürgermeisterin Friedrichshain-Kreuzberg
Einführung: Ralf F. Hartmann, Kurator der Ausstellung

(queer = anders, fremd, quer / lesbisch, schwul, bisexuell, transgender)

"queer summer" stellt Arbeiten von drei internationalen Künstlerinnen und Künstlern vor, die sich mit queerer Identität in der heutigen Gesellschaft beschäftigen.
Unter dem Titel "I don't know about you, but who am I?" thematisieren Winja Lutz, Bas Meermann und Johannes Zits neben zwischenmenschlichen Beziehungen auch das Zusammenleben der Geschlechter, indem sie zentrale Fragen im Umgang mit der eigenen identitären Position stellen. Dabei geht es nicht ausschließlich um die Wahrnehmung von Außen bzw. um persönliche Introspektiven, sondern insbesondere um den gesellschaftlichen Raum, in dem queeres Leben im Spannungsfeld zwischen Selbstbewusstsein, Anpassung und Subversion stattfindet. Die ausgestellten Arbeiten machen einen wesentlichen Grundkonflikt deutlich: Sie formulieren die Frage nach der eigenen Identität in der Suche nach dem Selbst und nach dem Anderen. Als komplexe Konstruktion von Wirklichkeiten, Zuschreibungen, Normen und persönlicher Reflexion ist lesbisch, schwule, bi- und transsexuelle Identität mittlerweile zum populären mainstream geworden, der leichter inszeniert ist, als er gelebt wird.
Im Mittelpunkt der Zeichnungen von Bas Meerman, Fotografien von Winja Lutz und Videos von Johannes Zits stehen neben subjektiven Erfahrungen und persönlichen Beobachtungen, kritische Anmerkungen und künstlerische Kommentare zur heutigen Alltagsrealität, in der sich queeres Leben nach der weitgehenden Liberalisierung der letzten Jahrzehnte abspielt. Die Arbeiten stellen sehr individuelle künst-lerische Statements dar und legen alte wie neue Klischees und normative Grenzen offen. Darüber hinaus setzen sie sich mit den identitären Schwierigkeiten von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgenders zwischen subkultureller Freiheit und sozialer Realität in einer vorwiegend heterosexuell geprägten Umwelt auseinander. Insbesondere der signifikante Umgang mit Körperlichkeit und die Probleme bei der Selbstpositionierung in einem binären Geschlechtersystem spielen dabei eine ganz wesentliche Rolle.

Die Berliner Fotokünstlerin Winja Lutz zeigt eine Serie von ebenso sensiblen wie bisweilen drastischen Selbstportraits, in denen sie die Ungreifbarkeit von Identität und den Konflikt zwischen biologischem Körper und psychologischem Geschlecht thematisiert. Die Wahrnehmung der eigenen Subjektivität ist dabei von ebenso großer Bedeutung, wie die tägliche Erfahrung gesellschaftlicher und persönlicher Grenzsituationen.

Mit seinen tagebuchartigen Zeichnungen gibt der niederländische Maler Bas Meerman einen sehr persönlichen Einblick in Wünsche, Utopien und Ängste eines schwulen Mannes zwischen Szene und Alltag, zwischen idealisiertem Klischee und oftmals brutaler Wirklichkeit. Im Spannungsfeld zwischen erotischen Fantasien und erinnerten Gewalterfahrungen kommen auch solche präsenten Themen wie Krankheit und Tod, Religion und Glauben zur Sprache.

Werbung und Medien beeinflussen mehr als alles andere das Selbstverständnis und die körperlichen Ideale einer jugendorientierten schwulen Community. Der kanadische Videokünstler Johannes Zits zeigt Arbeiten, die diese Kategorien täglicher Wahrnehmungen untersuchen und transferiert sie in einen künstlerischen Kontext: Das Video "Le poseur" rekurriert auf ein Gemälde des französischen Impressionisten Georges Seurat und analysiert sowohl mediale wie künstlerische Inszenierungen und ihre Auswirkungen auf das Subjekt.

Winja Lutz, * 1974 in Hamburg, lebt und arbeitet in Leipzig und Berlin.
Ausbildung als Sozialpädagogin, langjährige Arbeit in Drogen- , Jugend- und Sexinitiativen, Studierende der Medienkunst an der Hochschule für Gestaltung und Buchkunst Leipzig, seit 2000 Fotoprojekte und Ausstellungen zum Thema Gender und Identität.

Bas Meerman, * 1970 in Hilversum (NL), lebt und arbeitet in Berlin und Amsterdam.
Studium Malerei an De Ateliers und an der Gerrit Rietveld Academie, Amsterdam. Zahlreiche internationale Stipendien und Preise, seit 1994 umfangreiche Einzel- und Gruppenausstellungstätigkeit in Europa und den USA, Werke in vielen interna-tionalen Museen und öffentlichen Sammlungen.

Johannes Zits, * 1959 in Den Helder (NL), lebt und arbeitet in Toronto/ Kanada.
Studium Fine Arts an der York University, Toronto/ Ontario, zahlreiche internationale Stipendien, Preise und Residencies, seit 1984 zahlreiche Film-/ Videoprojekte und Ausstellungen in Nordamerika, Europa und Asien.

Die Ausstellung ist eine Kooperation von sensor.k und alte feuerwache, ermöglicht aus Mitteln der Kulturförderung Friedrichshain-Kreuzberg, mit freundlicher Unterstützung der Botschaft von Kanada.


VERANSTALTUNGEN:

Dienstag, 20. Juli 2004, 20.00 Uhr
"Queere Kunst: Positionen, Perspektiven & Strategien“
Gespräch mit Gästen: Winja Lutz, Bas Meerman, Johannes Zits & Ulrike Kremeier (Kunsthistorikerin, plattform Berlin), Dr. Linda Hentschel (Kunsthistorikerin, UdK Berlin). Moderation: Ralf F. Hartmann