■ 1. Oktober 2026 – 15. November 2026

Dear Spaces,

Detel Aurand, Nicole Wendel, Saskia Wendland

Termine

■ 7. Oktober, 19:00 Uhr

Poetische Dialoge

Dear Spaces - Künstlerinnengespräch

■ 15. November, 16:00 Uhr

Dear Spaces,

Finissage

Eintritt frei

Einladungskarte
Foto: Eric Tschernow
Foto: Eric Tschernow
Foto: Eric Tschernow
Foto: Eric Tschernow
Foto: Eric Tschernow

Dear Spaces,

Detel Aurand
Nicole Wendel
Saskia Wendland

Zur Ausstellungseröffnung am Mittwoch, 30. September, 19 Uhr laden wir herzlich ein.
Performance: Nicole Wendel und Eduardo Loria


Begleitprogramm
Kunstwoche der Kommunalen Galerien vom 2. bis 11. Oktober 2026
Mittwoch, 7. Oktober, 19 Uhr
Poetische Dialoge

Wir laden ein zu einem Gespräch mit Detel Aurand, Nicole Wendel und Saskia Wendland und einer gemeinsamen Betrachtung ihrer Arbeiten im Austausch mit Gedanken von Etel Adnan (Dichterin und Malerin, 1925 Beirut – 2021 Paris). Moderation: Katherina Perlongo, Kuratorin


Sonntag, 15. November, 16 Uhr
Finissage


Text zur Ausstellung von Katherina Perlongo, Kuratorin:
Was geschieht, wenn wir etwas wahrnehmen, das sich der Benennung entzieht? Wenn uns die Worte fehlen für das, was wir sehen, spüren oder erfahren?
Die Arbeiten von Detel Aurand, Nicole Wendel und Saskia Wendland nähern sich solchen Momenten auf unterschiedliche Weise. In der Ausstellung Dear Spaces, begegnen sich die drei Künstlerinnen mit Werken, die weniger durch formale Gemeinsamkeiten als durch ihre Aufmerksamkeit für das verbunden sind, was sich einer eindeutigen Festlegung entzieht. Unter den Bögen der Alten Feuerwache entfaltet jede Künstlerin mit drei großformatigen Arbeiten einen eigenen Raum. Zugleich treten die Werke über die Nischen hinweg miteinander in Dialog. Kleinere Arbeiten auf Papier setzen diese räumliche Konstellation in verändertem Maßstab fort. Der Blick wechselt zwischen Nähe und Distanz, zwischen dem Ganzen und der einzelnen Spur. So werden sowohl die Unterschiede zwischen den künstlerischen Handschriften als auch ihre Berührungspunkte erfahrbar.

In Detel Aurands Malereien begegnen sich unterschiedliche bildnerische Strukturen. Geometrische Formen, Farbfelder und Linien treten in Beziehung zu körperhaft erscheinenden Gebilden. Die Künstlerin spürt dabei Zusammenhängen nach, die sich nicht unmittelbar erschließen und dennoch erahnen lassen. In Vice Versa – Gleiches schafft Ungleiches, Ungleiches Gleiches (2025) greift sie eine eigene Zeichnung aus dem Jahr 2012 auf, die sie in Malerei transformiert und in einen neuen, eigenständigen Kontext überführt. Die damalige Zeichnung bezieht sich auf ein Werk von Emma Kunz, die Schweizer Heilpraktikerin und Künstlerin, mit der sich Aurand seit Langem beschäftigt. Auch in den beiden weiteren großformatigen Arbeiten Take Me Home II und Take Me Home III (2025) richtet sich der Blick auf das, was über das Sichtbare hinausweist. Vor dunklem Grund leuchten Lichtpunkte auf und öffnen einen Bildraum, der an einen nächtlichen Sternenhimmel erinnert. Das Sichtbare wird dabei zur Einladung, Neues zu entdecken und hinter dem unmittelbar Wahrnehmbaren weitere Ebenen und Zusammenhänge zu erahnen. Geometrie und Kosmos eröffnen unterschiedliche Zugänge zu dem, was sich erst jenseits des unmittelbar Sichtbaren erschließt. Aurands Bilder geben keine abschließenden Antworten, sondern regen dazu an, über das Dargestellte hinauszublicken und den Bildraum als Ausgangspunkt für eigene Entdeckungen zu begreifen.

Bei Nicole Wendel geht die Zeichnung aus der Bewegung des Körpers hervor. Druck, Richtung und Rhythmus hinterlassen Spuren auf dem Papier, die den Ausgangspunkt für eine erweiterte Komposition bilden. Freie Geometrien, Rhythmen, Formen und architektonische Elemente strukturieren den Bildraum, treten miteinander in Beziehung und verweben sich zu einem komplexen Gefüge. Ihre großformatigen Arbeiten aus der Serie Beyond (2025) sind aus der Auseinandersetzung mit den Rauhnächten entstanden, jener Zeit zwischen den Jahren, die mit Übergang, Einkehr und Neubeginn verbunden ist. Das Moment des Übergangs setzt sich in Wendels künstlerischer Praxis fort: Bewegung wird zu Zeichnung, die flüchtige Geste zur bleibenden Spur. Auch auf dem Ausstellungsboden ist eine solche Spur gegenwärtig: der materielle Nachhall der Performance Shifting the Silence (2026), deren Handlung bereits vergangen ist. Im Zentrum der Performance stand die Klanglichkeit des Materials im Zusammenspiel mit dem Raum und im Dialog mit dem Musiker Eduardo Loria. Zeichnung und Performance begegnen sich hier im Spannungsfeld von Augenblick und Dauer, von flüchtigem Geschehen und dem, was davon bleibt.

Auch Saskia Wendland verbindet Zeichnung und Bewegung. Wiederkehrende Gesten prägen ihre künstlerische Praxis und verleihen ihren Arbeiten einen eigenen Rhythmus. In den neuen Werken aus der Serie Untitled (2026) verwendet sie blaue Schnellacktusche, die sie trocken auf das Papier aufträgt. Aus wiederholten Bewegungen entstehen Kreise und Ellipsen, deren Konturen deutlich hervortreten und zugleich stellenweise an Klarheit verlieren. Linien verdichten sich zu Formen, lösen sich an den Rändern in feine, beinahe artikulierte Spuren auf und setzen sich im Sehen immer wieder neu zusammen. Die Formen erscheinen dadurch nicht als abgeschlossene Gebilde. Sie entstehen aus der Wiederholung und bleiben zugleich in Bewegung – zwischen Präzision und Auflösung, zwischen Setzung und Veränderung.
Das Umkreisen und Offenlassen, das die Arbeiten in der Alten Feuerwache auf unterschiedliche Weise prägt, findet einen gedanklichen Widerhall in Etel Adnans Text Die Stille verschieben (1996), den die Künstlerinnen als thematischen Bezugspunkt für die Ausstellung gewählt haben. Darin beschreibt Adnan die Suche nach einer Stille jenseits des Vertrauten und Benennbaren:

– Ich suche nach einem speziellen Zustand der Stille, nicht die, bei der du das Zirkulieren des Blutes in deinen Adern hören kannst, nicht die, die man hört, wenn die Musik verstummt, nicht die … Eine Stille zwischen Äonen der Stille. – (Etel Adnan, Die Stille verschieben, 1996)

Adnans Stille ist keine Abwesenheit, sondern ein Zustand, in dem etwas erfahrbar wird, ohne sich eindeutig bestimmen zu lassen. Diese Offenheit findet in den Werken von Dear Spaces, eine Entsprechung: Zusammenhänge erschließen sich nicht allein aus dem Einzelnen, sondern auch aus dem Wechselspiel von Formen, Gesten und Wahrnehmungen. Der Titel verweist auf Räume im Plural – auf die Alte Feuerwache ebenso wie auf die Konstellationen, die sich zwischen großen und kleinen Formaten, Körper und Spur, Verdichtung und Auflösung entfalten. Das Dear verleiht ihm den Charakter einer Anrede, einer Geste der Zuwendung. So wird Raum nicht allein als architektonischer Rahmen verstanden, sondern als etwas, das sich in der Begegnung entfaltet: dort, wo sich Blicke kreuzen, Eindrücke überlagern und Deutungen offenbleiben.


Mit freundlicher Unterstützung durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, Ausstellungsfonds Kommunale Galerien und Fonds Ausstellungsvergütungen für bildende Künstlerinnen und Künstler.